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Tennisarm: Was steckt wirklich dahinter?

8 Minuten LesezeitModul 7 · Verletzungsprävention & Prehab

Kurze Antwort

Zwei verbreitete Annahmen halten der Nachprüfung nicht stand. Nur etwa 5 bis 10 Prozent der Betroffenen spielen überhaupt Tennis — die Belastung ist repetitives Greifen und Halten, ob mit Schläger, Werkzeug oder Maus. Und eine Entzündung ist es nicht: Gewebeuntersuchungen zeigen einen degenerativen Umbau der Sehne, die typischen Entzündungszellen fehlen. Bei bestehenden Beschwerden gehört das ärztlich abgeklärt; dieser Text ersetzt das nicht.

Zwei Irrtümer in einem Wort

„Tennisarm“ ist die bekannteste Überlastungsdiagnose im Racket-Sport. Der Name transportiert zwei Annahmen, und beide halten der Nachprüfung nicht stand.

Erstens: Es ist selten Tennis

Wer den Tennisarm bekommt

5–10 %

der Menschen mit dieser Diagnose spielen überhaupt Tennis

1–3 %

der Allgemeinbevölkerung sind betroffen

45–54

Jahre: der Altersgipfel

Zahlen aus StatPearls, Lateral Epicondylitis: Angaben zur Verbreitung, keine Aussage über Tennisspieler selbst. Der Name benennt einen Auslöser von vielen.

Die Belastung, um die es geht, ist repetitives Greifen und Halten unter Spannung. Ein Schläger kann das auslösen, ein Schraubendreher, eine Maus oder ein Werkzeug ebenso.

Praktisch heißt das: Wer viel am Rechner arbeitet und zusätzlich spielt, sammelt beide Belastungen auf derselben Sehne. Die Ursache liegt oft nicht dort, wo man sie vermutet.

Zweitens: Es ist keine Entzündung

Die Endung „-itis“ in der älteren Bezeichnung steht in der Medizin für eine Entzündung. Gewebeuntersuchungen zeigen jedoch ein anderes Bild: ungeordnetes Kollagen, Mikroeinrisse, Gefäß- und Bindegewebswucherung, dazu ein Fehlen der typischen Entzündungszellen.

Es handelt sich um einen degenerativen Umbau der Sehne, nicht um eine Entzündungsreaktion. Deshalb sprechen Fachtexte heute eher von Tendinopathie oder Epicondylalgie.

Quelle: StatPearls, Lateral Epicondylitis

Warum in diesem Modul belastende Übungen stehen

Wenn das Gewebe nicht entzündet, sondern umgebaut ist, dann ist vollständige Ruhe nicht der naheliegende Weg. Umbau in die andere Richtung braucht einen Reiz. Es ist dieselbe Logik, die Modul 4 für Sehnen ausführlich entwickelt.

Genau deshalb enthält das Unterarm-Workout exzentrisches Handgelenkstrecken und statisches Grip-Halten und nicht Schonung.

Eine Studie am Rande, ausdrücklich als Einordnung und nicht als Empfehlung: Eine randomisierte kontrollierte Studie verglich bei bestehender Epicondylalgie eine Kortison-Injektion mit Physiotherapie. Kurzfristig schnitt die Injektion besser ab; nach einem Jahr war das Ergebnis schlechter und die Rückfallquote deutlich höher. (Coombes u. a., JAMA 2013)

Der Punkt hier ist nicht die Injektion. Der Punkt ist, dass schnelle Beschwerdefreiheit und ein gutes Ergebnis nach einem Jahr zwei verschiedene Dinge sind und dass Sehnengewebe langsam reagiert.

Die Grenze, die hier gilt

Das ist keine Therapie und ausdrücklich keine Empfehlung für oder gegen eine Behandlung. Welche Behandlung bei bestehenden Beschwerden sinnvoll ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt, mit einer Kenntnis des Einzelfalls, die ein Kurstext nicht haben kann.

Die Übungen dieses Moduls sind für Menschen ohne aktuelle Beschwerden gedacht. Wenn der Ellenbogen bereits meldet, gehört das ärztlich oder physiotherapeutisch abgeklärt, bevor du hier einsteigst.

Und eine ehrliche Einordnung zur Datenlage: Exzentrisches Training ist als Behandlung eines bestehenden Tennisarms gut belegt. Für die reine Vorsorge bei Beschwerdefreien ist die Studienlage deutlich dünner. Die Übungen folgen hier der allgemeinen Sehnenbelastbarkeits-Logik und nicht speziellen Vorsorgestudien; so steht es auch in der Modulbeschreibung.